Diffuse Grenzen
Eines meiner Interessengebiete sind die Biowissenschaften und für mich als SF-Enthusiasten natürlich um so mehr die Frage nach der Existenz von Leben außerhalb der Erde.
Einer der deutschen Privatsender veranstaltet derzeit eine sogenannte Alienwoche.
Neben Perlen wie Alien und Filmen wie Abyss war da auch eine Art Action-Doku im Programm, in der
“führende Wissenschaftler der relevanten Disziplinen ihre neuesten Erkenntnisse” vorstellten.
Schick inszeniert mit aufwendiger Studiokulisse, Animationsfilmen und toller Requisite wurden dem interessierten Zuschauer neue Modelle über mögliche Welten und deren ebenso hypothetische Lebensformen präsentiert.
Was mich dabei unangenehm berührt hat, sind verschiedene Auslassungen - nämlich die, dass in der Darbeitung nur extrem vereinfachte Modelle gezeigt wurden und diese dann auch noch so verkauft wurden, als seien sie in irgendeiner Form belegbar (Warum sollte eine dichtere, fremde Atmosphäre zwangsläufig einen höheren Sauerstoffgehalt haben und welche physiologischen Anpassungen gibt es, um Sauerstoff- und Kohlendioxid-Vergiftungen zu vermeiden? Warum jagen die Sturmsysteme des Einseitendrehers Aurelia nicht auch über die Tag-Nachtgrenze sondern bilden ein einziges gigantisches Sturmgebiet über der Sonnenseite?).
Außerdem wurden so lustige Dinge wie Lebensformen der irdischen Extremhabitate (Kälte, Hitze, Druck, Säure usw.) völlig außer acht gelassen und nur große und spektakuläre (hypothetische) Organismen vorgestellt. Das essentielle Kleinzeug drum herum wurde unterschlagen.
Die Ideen der Herren Wissenschaftler waren durchaus durchdacht, doch war ihnen die Selbstinszenierung offenbar noch wichtiger als das Produkt.
Es wirkte wie ein riesiger Werbespot für SETI bzw. der grundlegenden Suche nach extraterrestrischem Leben (chronisch schlecht finanziert)- an sich lobenswert, in der Ausführung aber am Ziel vorbei.
Wird denn das Interesse bleiben, wenn die ersten fremden Lebenszeichen, die im Sonnensystem oder jenseits davon gefunden werden sollten, keine fliegenden Walhaie oder kilometerhohen Palisadenbäume sind, sondern Schwefelsäure “fressende”, bakterien-ähnliche Winzlinge?
Solche Viecher gibt’s auch auf Erden und wir haben sie jahrzehntelang nicht gefunden, weil wir zu sehr auf unsere eigenen Lebensbedingungen fixiert waren.
Mit dieser Einstellung sind wir viellicht nicht in der Lage, wirklich fremde Lebensformen zu entdecken…
Infotainment schön und gut, aber hier wurde die Grenze zur Falschinformation zugunsten der Unterhaltung mehr als nur einmal gestreift, wenn nicht gar überschritten.
Und der hypothetische Charakter der Überlegungen, die durch Wunschdenken angetrieben werden, wurde bei weitem nicht deutlich genug heraus gestellt.
Manchmal kam es so rüber, als erführen wir hier Tatsachen - nein, es waren Träume, bunte und spannende Träume phantasievoller, enthusiastischer und meinetwegen auch anerkannter Experten, aber dennoch “nur” Träume.
Mein Fazit für diese verschenkte Gelegenheit ist ein Zitat von Douglas Adams: “Right idea - wrong method!”
Schade!
Sage